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Jedes Mal wenn ich nach Hause komme, befällt mich schon beim Betreten des Flures diese immer gleiche, bittersüße Gefühlsmischung aus Beklemmung und Geborgenheit, irgendwas zwischen Nestwärme und Klaustrophobie für Fortgeschrittene. Ob ich es will oder nicht, sofort werden alte Erinnerungen wach. An meine berüchtigten Räuberhöhlen zum Beispiel, in die ich Mausefallen stellte, um zu verhindern, dass meine Schwester sich dort Zutritt verschaffte. Der Bau dieser Höhlen wurde mir aber schließlich untersagt, nachdem Esther beim Saubermachen aus Versehen eine Mausefallen-Kettenreaktion auslöste und ihr noch am selben Tag zwei pechschwarz geschlagene Fingernägel aus dem Nagelbett entfernt werden mussten. 

Und wie habe ich mein Baumhaus hinten im Garten geliebt. Hier bin ich als Siebenjähriger im Sommer für eine Woche eingezogen, weil mir das Zusammenleben mit Mutter und Schwester einfach unerträglich erschien. Dank diverser Ladendiebstähle konnte ich mich in meinem Baum-Refugium ganze vier Tage selbstständig ernähren, so lange, bis Polizeibeamte meinen Zufluchtsort stürmten und kiloweise Dosen-Mandarinchen, Gummibärchen und Büchsen-Ravioli sicherstellten. Die Aktion hat mir leider ein lebenslanges Hausverbot im Supermarkt meines Vertrauens beschert, aber zum Glück gab es ja noch andere Geschäfte, in denen ich ebenfalls sämtliche Donald-Duck-Hefte direkt im Laden lesen konnte, um so mein Taschengeld zu sparen. Meine familiäre Absetzbewegung hat nicht nur dazu geführt, dass ich einen Monat Baumhaus-Verbot bekam, zusätzlich wurde ich noch mit einer allabendlichen Familienzusammenkunft gestraft, in der unter anderem mein diebisches Fehlverhalten familientherapeutisch aufgearbeitet wurde.

Zuerst hielten Esther, Jule und ich einen beschämenden Problemkreis ab, in dem reihum jeder über seine Gefühle sprechen musste. Danach folgte die zweite Grausamkeit: zehn Minuten Familienkuscheln, wo wir in Klamotten eng aneinandergeschmiegt auf einer Wolldecke lagen und ich jedes Mal hoffte, das Jugendamt würde uns überraschen, um diesem Humbug ein jähes Ende zu bereiten. Zum krönenden Abschluss gab es dann noch eine Portion Fremdschämen, wenn Esther die Anlage aufdrehte und wir uns zu Enya-Ethno-Hymnen freitanzen sollten. Dass ich nach diesen peinigenden Ritualen kein Fall für die Klapsmühle geworden bin, ist eigentlich ein Wunder.

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Roman, Buch, Familie, Urlaub, Liebe, Patchwork, gay, schwul, lustig, lachen, Club, Hotel, Griechenland, Insel, Single, Frau

Nach der ersten Hotel- und Inselbesichtigung ist Lea völlig von den Socken. Was ihr sofort auffällt: In diesem Resort gibt es einen krassen Männerüberschuss. Diese Tatsache allein wäre jetzt eher semi-interessant, denn Männerüberschuss gibt es ja auch in DAX-Vorständen, Gemischt-Saunen und im Wartezimmer vom Urologen. Aber kombiniert mit ihren gefestigten Flirt- und Kopulationsabsichten ist das eine verdammt gute Nachricht. Die wenigen Frauen, die hier im Resort als Konkurrenz herumspringen, kann Lea jedenfalls locker ausblenden. Und die paar eindeutig schwulen Urlauber auch.

So bleiben trotzdem noch jede Menge Typen für sie übrig, und allein hier am Pool gibt es schon äußerst ansehnliche Exemplare: gut durchtrainiert, mit aktuellen Fußballerfrisuren und Tattoos, die nicht nach Knaststempel aussehen, sondern irgendwie nach Kunst.
Lea tut so, als würde sie die tolle Aussicht genießen, starrt aber unentwegt durch ihre Sonnenbrille auf die hübschen Männer vor ihr im Wasser. Ein bisschen kommt sie sich vor wie eine Psychopathin, die streng bedürftig in der Herrenumkleide des Sportvereins herumspannert, um endlich mal wieder Frischfleisch zu sehen. Aber hey, es ist Urlaub, sie ist Single, da darf man so was.

Einige haben es mit den Muckis aber krass übertrieben und sehen eher aus wie Eiweißcontainer auf zwei Beinen. Doch was nützen zweihundert Watt in den Armen, wenn im Oberstübchen kein Licht brennt. So ein Paradestück hat Lea ja gerade erst in den Wind geschossen. Das Gegenteil ist aber genauso schlimm: Wenn jemand zwar seitenweise Goethes Faust rezitieren kann, dann aber zu doof ist, den Router anzuschließen oder ein Regal an die Wand zu kloppen. Einigen Kerlen hier wären aber weder Goethes Verse noch das Beheben eines Internetproblems zuzutrauen. Kerle, die ständig um ihre Frisur besorgt sind, pausenlos ins Smartphone starren und Selfies für Instagram machen. Lea ist zwar auch Teil dieses sozialen Netzwerks, nutzt den Zeitfresser aber nur selten. Denn für sie ist Berühmtsein auf Instagram wie Reichsein bei Monopoly: irgendwie egal."

(...)

"Lea kommt sich vor wie mit vierzehn. Denn da war sie das erste Mal so richtig verliebt. Im Sommerzeltlager war das, in Grömitz an der Ostsee. Unvergessen bleibt die stickige Luft in der Kinderdisco, der Schweiß auf der Stirn, das lässig vor dem Bauch verknotete T-Shirt, dazu ihr Seitenzopf und die geputzte Zahnspange. So stand sie da, über beide Ohren verknallt, dass ihr fast die Eingeweide rausgeflogen sind. Immer wieder versuchte sie, die Aufmerksamkeit ihres Schwarms zu erhaschen, was leider komplett misslang. Egal, wie laut sie lachte, wie sexy sie sich bewegte oder wie intensiv sie tanzte, der Typ schenkte ihr einfach keine Beachtung. Wenn der Kerl sie tatsächlich angesprochen hätte, wäre sie vermutlich hysterisch kichernd in Ohnmacht gefallen. Zudem machte sich auch das erste Bier ihres Lebens in ihrem Kopf breit, was sie schließlich dazu veranlasste, voller Inbrunst den Refrain ihres Lieblingsliedes mitzugrölen. Auf diese Weise wollte sie ihrem Schwarm vermitteln, was für einen unglaublich guten Musikgeschmack sie hatte – und dass sie natürlich die Texte der gängigen Superhits auswendig konnte. „Appin lukkin foa friedn, simmsa leppna hohen daun!“, singkreischte sie den Hasselhoff-Song, ohne davon auch nur einen Satz zu verstehen. Sie drehte sich irre wie ein Derwisch auf der Tanzfläche … bis sie sich kreidebleich hinter dem nächsten Heizkörper erbrach.
Die Gesetzmäßigkeiten des Verknalltseins haben sich seitdem kein Stück verändert. Erwachsenen-Verknalltsein ist mindestens genauso schlimm wie Teenie-Verknalltsein. Es brennt genauso, es sticht genauso, es kribbelt genauso … und es ist genauso schön.
Deswegen ist Lea jetzt auch kurz vorm Durchdrehen. Hendrik ist so ein toller Typ! Warum ist ausgerechnet der wieder schwul? Hat sich das Universum irgendwie gegen sie verschworen?
Sie würde nie im Lotto gewinnen, aber wenn man ihr tausend Laptops aus dem Media Markt hinstellt, kauft sie zu hundert Prozent den Garantie-Fall – vom Umtausch ausgeschlossen, versteht sich. Und wenn fünfundsiebzigtausend Menschen in einem Fußballstadion sitzen, kriegt Lea den Ball an den Kopf! Ihr Schicksal mit Männern verläuft exakt nach diesem Prinzip …

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Die Schrillies, Schrills, Flausen, Flausenretter, Roxi, Kiki, Keule, lustig, Kinderbuch

Die Schrillies klettern aus Tristans Schulranzen und schon 

klingelt es zur ersten Stunde. Bevor wieder die große Langeweile 

ausbricht, schlüpfen die Schrillies aus dem Klassenraum 

und laufen durch den Flur. In einem Abstellraum entdecken 

sie etwas sehr Interessantes: eine Poliermaschine. Damit macht 

der Putzdienst nach Schulschluss die Fliesen im Schulgebäude 

sauber und glatt. Die Hausmeisterin ist weit und breit nicht zu 

sehen und so huschen die Schrillies schnell in den kleinen 

Raum. Rumpel, rums, knall, schepper – wenig später hat Kiki 

die Poliermaschine auf Ultra-Maximum-Highspeed eingestellt. 

Keule findet währenddessen zwischen dem ganzen Gerümpel 

in der Kammer einen riesigen Kanister mit Spezial-Reinigungsmittel. 

Auf dem Kanister ist ein Warnschild angebracht:
»Achtung, Reiniger ist hochwirksam. Unbedingt mit einer Gießkanne 

Wasser vermischen«, steht da drauf. 

»Aber hier gibt’s keine Gießkanne!«, sagt Keule. Er guckt 

Roxi an, beide zucken mit den Schultern und schütten das 

Zeug einfach unverdünnt in den Tank. 

Kiki befestigt noch ein Seil rund um das Lenkrad, damit die 

Schrillies die Putzmaschine vom Fahrersitz aus lenken können. 

»Fertig«, ruft Kiki, »kann losgehen!« Und schon schwingen 

sich die Schrillies auf das Putzgefährt. Roxi schnappt sich das 

Lenkseil, während Keule den Startknopf drückt und Kiki aufs 

Gaspedal springt. Und schon legt die Schrubbermaschine los. 

Die Tür fliegt auf und wie beim Start eines Pferderennens schießen 

die Schrillies auf ihrem Höllengefährt los. Huiiiiii!
Kiki drückt das Gaspedal durch, sodass sie in Höchstgeschwindigkeit durch die Gänge pesen. Die Maschine schrubbt und bürstet, putzt und wischt wie ein durchgeknallter Putzteufel. Die Schrillies kreischen vor Freude. Ruckzuck ist das gesamte Erdgeschoss blitzeblank. Keule springt auf die Bremse und die Maschine kommt vor dem Fahrstuhl zum Stehen. 

»Ab in die nächste Etage!«, ruft er. Also rein in den Fahrstuhl, Tür zu, Pling, Tür wieder auf und weiter geht’s mit Karacho! Die drei Schrillies sind in einem regelrechten Putzrausch, sodass sie gar nicht bemerken, wie ein kleiner Schüler, der eigentlich Pipi muss, sich beim Anblick des komischen Treibens im Flur ganz schnell wieder ins  Klassenzimmer verkriecht.

Kurz bevor es dann zur Pause klingelt, sind die Schrillies 

mit allen Stockwerken fertig. Die Böden blitzen und glänzen 

wie nie zuvor – und: Sie sind glatt wie nie zuvor. 

Mit dem Pausengong strömen die Schüler aus den Klassen. 

»Oh, wow, das ist ja spiegelglatt!«, »Wie eine Eisbahn!«, 

»Voll cool!«, »Juhuu, schaut mal, ich rutsche bis zur Tüüüür!«, 

hört man die Kinder rufen. 

Die Erwachsenen finden das Ganze nicht so witzig. Frau 

Hakimi, Tristans Klassenlehrerin, tapst barfuß durch die 

Gänge, ihre Schuhe trägt sie in der Hand. Auch dem Sportlehrer 

Herr Stackelberg ist der glatte Boden nicht geheuer. 

Im Jogginganzug, mit Stirnband und Trillerpfeife im Mund, 

krabbelt er wie ein Käfer durch den Flur und zieht sich erst 

am Kopierer vorm Lehrerzimmer wieder nach oben. (...)


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